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21.05.2019

Allrad ja oder nein – eine Entscheidungshilfe

Die Verkaufszahlen der letzten Jahre zeigen es deutlich: Allrad erlebt einen Aufschwung und liegt gerade voll im Trend. Handelt sich dabei lediglich um eine Modeerscheinung oder ist der Allradantrieb wirklich unverzichtbar? Wir verraten Ihnen, was dahintersteckt, worin die Vor- und Nachteile liegen und für wen sich die Anschaffung eines allradbetriebenen Fahrzeugs mit Sicherheit lohnt.
Allrad

Allrad: was heißt das eigentlich genau?

Technisch gesehen geschieht bei einem allradbetriebenen Fahrzeug nichts anderes, als eine gleichmäßige Verteilung der Antriebskraft auf alle bodenberührenden Räder. Dabei unterscheidet man zwischen Modellen mit permanentem Allradbetrieb, bei dem die Leistung ständig gleichmäßig auf alle Räder verteilt wird, und solchen mit zuschaltbarem Allradantrieb. Diese Fahrzeuge haben standardmäßig einen Antrieb über eine der beiden Achsen und können die zweite im Bedarfsfall über eine Kupplung aktivieren. Bei modernen Ausführungen geschieht dieser Vorgang schon vollautomatisch, bei älteren wird die zweite Achse von Hand gekoppelt.

Durch den Antrieb über alle vier Räder ist das Fahrzeug stärker und leistungsfähiger, denn die Kraft wird besser übertragen. Während die Antriebskraft bei einem einachsig betriebenen Fahrzeug immer nur auf die hinteren oder auf die vorderen Räder wirkt, wird ein Auto mit Allradantrieb praktisch gleichzeitig geschoben und gezogen. Bildlich gesprochen zieht der Antrieb der Vorderachse die Last, die im hinteren Fahrzeugbereich anfällt und die Hinterachse schiebt kräftig mit.

 

Allrad: das sind die Vorteile

Speziell zum Ziehen schwerer Lasten ist ein Allradantrieb eine große Erleichterung. Wer mit einem Wohnwagen schon einmal über eine nasse Wiese gefahren ist, kennt die Herausforderungen, die das zusätzliche Gewicht mit sich bringt. Oder mit einem Pferdeanhänger. Die müssen meist auch über Feldwege und unbefestigte Wege zur Koppel oder zum Stall gebracht werden. Gerade auf unbefestigten Wegen können Allradfahrzeuge ihre ganze Kraft ausspielen. Taunasse Feldwege, lockere Schotterstraßen oder nasse, steile Bergstraßen hinaufzukommen, wird zum Kinderspiel. Deutlich merkbar wird das speziell beim Anfahren im unwegsamen Gelände.

Am offensichtlichsten sind die Vorteile eines Fahrzeugs mit Allradgetriebe natürlich im Winter. Auf schlecht geräumten Straßen hält es problemlos die Spur, und auch, wenn der Schneepflug lange auf sich warten lässt. Wenn das Auto in einer Parklücke eingeschneit wurde, ist das Ausparken ebenso ohne fremde Hilfe möglich. Auf eisigen Fahrbahnen ist der Grip spürbar größer, das Auto lässt sich einwandfrei beschleunigen und steuern.

 

Die Nachteile liegen bei den Kosten und bei den Bremsen

Wer auf Allrad nicht verzichten möchte, muss Mehrkosten einkalkulieren. Schon bei der Anschaffung eines Neuwagens oder eines gebrauchten Fahrzeuges fallen für die Ausführung mit Allradgetriebe höhere Kosten an. Das gleiche Bild zieht sich beim Treibstoffverbrauch fort.

Die gleichmäßige Verteilung der Antriebskraft auf alle Räder erfordert zusätzliche Technik: ein zusätzliches Getriebe, Antriebswellen und eine weitere Kupplung. Diese zusätzliche Last wirkt sich auf den Treibstoffverbrauch aus, da sie mehr Sprit beansprucht, als gleiche Modelle mit Vorderrad- oder Heckantrieb. Zwischen einem halben Liter und einem Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometern. Das geht mit der Zeit auf die Geldbörse.

Ein weiterer, nicht unwichtiger Minuspunkt liegt im Bremsverhalten. Liegt der Allradbetriebene in Sachen Antriebsleistung klar vorne, hat er bergab gar keinen Vorteil gegenüber einachsig angetriebenen Fahrzeugen. Diese lassen sich sogar einfacher bremsen. Woran das liegt?

Allradbetriebene SUV’s oder Offroad-Fahrzeuge sind meist mit grobstolligeren Reifen ausgestattet. Im unwegsamen Gelände, auf nicht befestigten Straßen ist das von Vorteil. Nicht jedoch beim Bremsen. Hier gilt, je mehr Kontaktfläche zwischen Reifen und Belag besteht, desto größer ist die Bremswirkung. Hinzu kommt die schwerere Last durch das höhere Eigengewicht. Eine größere Masse lässt sich schwerer bzw. langsamer anhalten als eine kleinere und da ist der einfache, einachsig betriebene PKW klar überlegen.

 

Wer sollte sich für ein Auto mit Allrad entscheiden?

Es obliegt natürlich jedem einzelnen, ob die Wahl auf ein Fahrzeug mit Allradantrieb fällt.

Personen, die häufig auf steilen, nassen Bergstraßen unterwegs sind, werden mit Sicherheit ihre Freude an einem allradbetriebenen Auto haben. Gerade wenn es ein kleines Bisschen geschneit hat, kann ein kleinerer Hügel zum eigenen Wohnort sonst leicht zum lästigen Verhängnis werden. Auch auf lockerem Untergrund, wie zum Beispiel auf durchweichten Wald- oder Wiesenwegen, ist ein allradbetriebenes Auto sicherlich von Vorteil.

Gleiches gilt, wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug regelmäßig größere Lasten ziehen. Einen Wohnwagen beispielsweise oder einen Pferdeanhänger. Durch die bessere Kraftübertragung sind Sie mit einem Allradfahrzeug gut beraten.

Wenn Sie nur einmal im Jahr einen Tagesausflug auf eine Alm planen, werden die Kosten sich nicht rechnen. Aber als Pächter der Alm, der mehrmals in der Woche ins Tal fährt um Lebensmittel einzukaufen, Besorgungen zu machen oder um Urlaubsgäste ins Quartier zu bringen, ist ein Allrad-Auto sicher ideal für Sie. Ebenso, wenn Sie in einem Bergbauerndorf wohnen oder Ihr Wohnort nur über eine steile Straße erreichbar ist, wenn Sie bei jeder Wetter- und Schneelage einen beschwerlichen Weg zu Ihrem Arbeitsplatz haben oder wenn Sie Ihr Fahrzeug für sonstige berufliche Fahrten brauchen, zahlt sich die Investition aus. Jenseits asphaltierter Straßen ist ein Allradmodell immer von Vorteil.